In nicht mehr allzu fernen Tagen wird es vorbei sein mit den Lichtspielen im Sonnenschein, die das schön geschwungene Geländer an die Wand der Unterführung zum Mittelbahnsteig des Bahnhofs Eisenhüttenstadt wirft. Denn mit dem Bahnsteig schwindet der Durchgang und dann besitzt der mehr Haltepunkt als Bahnhof vermutlich ein sehr reduziertes, schmuckarmes Erscheinungsbild, das der Fantasielosigkeit im Umgang mit dem dort befindlichen Verkehrs- und Stadtraum sehr gerecht werden dürfte.
Artikel mit Tag bahnhof
Verlorenes und Übersehenes in Eisenhüttenstadt. Teil 3: Der Schatten des Geländers im Durchgang zum Bahnsteig
In nicht mehr allzu fernen Tagen wird es vorbei sein mit den Lichtspielen im Sonnenschein, die das schön geschwungene Geländer an die Wand der Unterführung zum Mittelbahnsteig des Bahnhofs Eisenhüttenstadt wirft. Denn mit dem Bahnsteig schwindet der Durchgang und dann besitzt der mehr Haltepunkt als Bahnhof vermutlich ein sehr reduziertes, schmuckarmes Erscheinungsbild, das der Fantasielosigkeit im Umgang mit dem dort befindlichen Verkehrs- und Stadtraum sehr gerecht werden dürfte.
Die Bahnhofsmission. Brandenburgs Gebäudeförderung kommt in Eisenhüttenstadt wohl zu spät
Die Bahn selbst erklärt, ihre Gebäude seien oft Schmuckstücke in den Kommunen gewesen.
Diese Zeit ist bei den meisten Stationen allerdings vorbei. Seit Jahren lässt die Bahn ihre einstigen Bahnhöfe verfallen; in die Unterhaltung wird nur noch so viel Geld gesteckt, dass die Sicherheit gewährleistet bleibt. Aus den einstigen Schmuckstücken sind Schandflecke geworden.
Der ehemals Fürstenberger und spätere Eisenhüttenstädter Bahnhof ist ein erstklassiges Beispiel für die Beschreibung aus der heutigen Ausgabe des Tagesspiegel (Kommunen erhalten Vorkaufsrecht bei Bahnhofsgebäuden). Im Land Brandenburg reagiert man nun ein wenig auf die Proteste des Deutschen Bahnkunden-Verbands und so lässt sich im Tagesspiegel lesen:
Der Bahnkunden-Verband hat vorgeschlagen, das Infrastrukturministerium solle die Gebäude zu einem symbolischen Preis übernehmen, anschließend sanieren und dann an interessierte Kommunen abgeben. Für eine Sanierung fehlt aber auch dem Ministerium das Geld. Es will den Kauf durch die Kommunen aber finanziell fördern, wenn sich die Gemeinden zu einem Kauf durchringen können.Für den Eisenhüttenstädter Bahnhof kommt das Förderangebot aber leider zu spät, befindet er sich doch schon in den Händen eines Investors (vgl. hier). So hat die Kommune hier nicht mehr viel zu melden, was ihr vermutlich auch nicht ganz ungelegen kommt. Der Bahn, deren doppelkopfschienenharter Vorstand die Kunden aufgrund deren weitgehender Abhängigkeit von dem Verkehrsunternehmen gemeinhin in einer Art und Weise schikaniert, wie es sich vermutlich höchstens noch die Stromversorger leisten können, tanzt gerade wieder mit hardrock'n'rolligen Nachtreten gegenüber den Gewerkschaften um das goldene Kalb der Ertragsprognosen und hat sich bekanntlich längst von der Vorstellung, sie könnte eine andere gesellschaftliche Rolle haben, als der Mikrokosmos eines Otto Normal-Short Seller absteckt. Niederer geht es wohl kaum:
Um die Kosten aufzufangen, müssten sich die Kunden auf höhere Ticketpreise einstellen, sagte Mehdorn. Zudem müsse der Konzern "alle Möglichkeiten zur Rationalisierung einschließlich der Verlagerung von Arbeit in Billiglohngebiete nutzen"Ostbrandenburg hat der Bahnchef aber nicht im Auge, auch wenn hier in zahlreichen Branchen durchaus knapp am Existenzminimum verdient wird. Immerhin:
Für den Bahnbetrieb braucht die Bahn nur noch Bahnsteige, an denen die Züge halten. Der Zugang erfolgt neben den Bahnhofsgebäuden. Und vielleicht gibt es noch einen Unterstand auf dem Bahnsteig dazu.Allerdings sollte sich das in Hinblick auf wirtschaftliche Risiken fast unverantwortlich leicht gefederte Verkehrsunternehmen nicht nur fragen, was es selbst braucht, sondern was seine Kunden benötigen (womöglich wünschen). Andererseits könnte es sein, dass als Bahnkunden gar nicht diejenigen betrachtet werden, die auf dem freizugigen Holzbahnsteig in Erkner im Dezember ohne klare Durchsage 40 Minuten Verpätung abwarten, sondern die, die irgendwann einmal die zur Privatisierung freigegebenen Anteile erwerben sollen. Dann geht das Konzept natürlich völlig auf und ich möchte zu diesem Bravourstück gar nichts gesagt (bzw. geschrieben) haben. Außer natürlich, dass ein Verschwinden des Bahnhofsgebäudes für Eisenhüttenstadt einen weiteren Verlust markieren würde, den manche bedauern und andere begrüßen.
Was so schon ungemütlich ist, hat durchaus Perspektive, als Aufenthaltsbereich noch an Komfort einzubüßen, denn bald gibt es laut Planung nur noch Minimalunterstände, die bei der üblichen Annahme durch die Jugend der Stadt eine Lebensdauer von (optimistisch) geschätzten zwei Wochen besitzen. Vielleicht gibt es wenigstens eine Videoüberwachung.
Eisenhüttenstädter Bilderreigen 2007. Teil 20: Die verschwundene Plastik+eine Empfindung dazu
Der Sockel steht, das Werk ist fort
Der Sportplatz nun ein öder Ort...
Na hoppla! Was geschieht denn da auf dem Schulsportplatz ohne Schule?! Soweit die Erinnerung ein rechtes Erinnerungsbild aus den Tiefen des persönlichen Stadtbilds hervorholt, fanden längere Zeit auf der Sportanlage des Fürstenberger Gymnasiums im VII. Wohnkomplex von Eisenhüttenstadt zwei Kleinplastiken Unterschlupf an einem thematisch passenden Standort. Ein kurzer Seitenblick nach einer Wanderung durchs desolate Areal der Abrisslandschaft, in der immerhin punktuell dem Kleinwuchs der Fertighauskultur das Wurzeln gelingt, zeigt nun, das eine von beiden fehlt. Ob sie in den Schmelzöfen von Altmetallhändlern oder im Museumsdepot gelandet ist, ist uns bislang nicht bekannt. Wir widmen die zwanzigste Ausgabe unseres kleinen Bilderreigens in jedem Fall dieser weiteren kleinen Leerstelle im Stadtbild östlich der Bahnlinie und damit einem Stadtraum, der - in Wechselwirkung mit dem Bahnhof, der dank der eifrigen Mithilfe der Eisenhüttenstädter immer mehr das Kleid der Abrissreife anlegt - zu einem der unwirtlichsten Orte Ostdeutschlands geworden sein dürfte - dies übrigens objektiv, ein Bombenabwurfplatz hat verglichen mit dem aktuellen Zustand des WK VII Süd durchaus Charme. Trostloser als am Gleiskörper entlang an der Eisenbahnstraße ist die Welt wohl kaum vorstellbar und wie erbämlich sich erst die armen Senioren aus dem in der Nähe befindlichen Feierabendheim fühlen müssen, die nur dieses vergessene Stück Stadt in ihrer Spaziergangsreichweite haben, will man sich lieber nicht vorstellen. Diese Ansiedlung irgendwo im Brachland am Kanal ist verglichen mit der Planung des Objektes in der Poststraße bei genauerem Hinsehen eine außergewöhnliche stadträumliche Ungeschicklichkeit und gegenüber den mobilen Heimbewohnern, die man ab und an mit ihren Rollatoren hilflos an der behindertenunfreundlichen Straße bei der Werft sieht, schon fast ein Zeichen der Verachtung.
Eisenhüttenstadt weist jedenfalls bei jedem Besuch neue Lücken auf, für die auch die knuffigen Bungalow-Bauten aus dem Katalog kein rechter Ersatz sind. Gemeinschaftswohnen wird hier durch streng umzäunte Privatheit abgegrenzt, in der schrumpfenden, schrumpelnden Stadt mit dem zu großen Stadtraum.
Gern führt man das Bild des Mannes im zu kleinen Anzug ins Feld. Wer das Areal um den WK VII durchquert, merkt allerdings, dass der Anzug nicht, wie es ein guter Schneider täte, umgenäht wird, sondern, dass man mehr oder weniger die überzähligen Ärmelstücken einfach abreisst und statt eines passenden Saumes ein paar Heftklammern an die Rissstellen tackert.
Den besonderen Dreh bekommt das Gebiet auch noch dadurch, dass es nicht nur desolat im Sinne von entvölkert und verlassen erscheint, sondern sich bestimmte Teile der lokalen Bevölkerung das Abrissgeschehen der Wohnungsbaugesellschaften ("Bis 2008 stehen rund 400 Millionen Euro an Mitteln von Bund, Land und Kommunen für den Abriss und die Aufwertung von Wohnvierteln zur Verfügung." - ddp-Meldung vom 27.12.2007) mit einer spezifischen Interpretation zum Vorbild nehmen und als eine Form von staatlich gefördertem Vandalismus auffassen, aus dem sie den Schluß eines Freibriefes für eigenes Abriss- und Zerstörungsgeschehen sowie die Möglichkeit, Haus- und Sondermüll offen in die Landschaft zu ergießen, ziehen.
Da es anscheinend in der aufgegebenen Gegend auch niemanden zu stören scheint und kein Mensch danach fragt, wohin hier eigentlich die Nachnutzung laufen soll, pflanzt sich diese althergebrachte Eisenhüttenstädter und vielleicht Ostbrandenburger Tradition, die der Reinlichkeit innerhalb der eigenen Umzäunung die Indifferenz gegenüber dem öffentlichen Raum entgegensetzt, recht hemmungslos fort.
Wohl dem, der aus dem Gebäude der Investitionsgesellschaften Patron Capital Limited und Procom (vgl. hier), das sich die Bahn AG so locker aus dem Portfolio geschüttelt und nebenbei - so muss man annehmen - auch jede andere Art von Service (inklusive Instandsetzung und Reinigung) eingestellt hat, so schnell als möglich den Absprung schafft. Bahn-Pressesprecher "Berlin / Brandenburg / Mecklenburg-Vorpommern" Burkhard Ahlert hat auch gleich die Erklärung für den Zustand der Liegenschaft parat:
„Wir müssen wirtschaftlich denken“, so der Bahn-Sprecher. Je nach Nutzung der Bahnhöfe gebe(sic!) es verschiedenen(sic!) Kategorien. Gerade bei kleineren könne das heißen, dass dort Aufsichtspersonal nicht mehr gebraucht werde. „Für Fragen gibt es ja auch die Mitarbeiter in den Zügen.“Vorher hat der grandiose Rhetoriker Ahlert auch noch die Autoren der VBB-Studie zum Niedergang des Schienenunternehmens in den Bereich Kundennähe und -dienst (vgl. hier) tatsächlich die Chuzpe gehabt, sich statt kritikfähig nur einzigartig arrogant zu äußern:
"Über so eine Studie hätten wir gern vor der Veröffentlichung erfahren“, sagte Bahnsprecher Burkhard Ahlert. „Auf dem Berliner Hauptbahnhof läuft beispielsweise so viel Bahnpersonal herum, dass wir dort auf den Aushang von Telefonnummern verzichten können.“Man zweifelt leider wirklich, ob die Eisenbahnherren verstehen, wofür sie ihr Unternehmen betreiben und denkt - eine Träne verdrückend - an die Zeiten, als in den Zügen noch Raum für Gepäck und auf den Bahnsteigen manchmal sogar eine helfende Hand bereitstand. Mein Wunsch für's neue Jahr für Herrn Ahlert ist, dass er einmal auf dem Bahnhof Eisenhüttenstadt den letzten Zug verpasst und kein Taxi bekommt, damit er sich ausnahmsweise einmal damit beschäftigt, was den End(haltepunkt)kunden seines Unternehmens so erwartet. Seine Zeit hauptsächlich in den zu klimatisierten Shopping-Zonen umpolierten Hauptbahnhöfen zu verbringen, mag vielleicht im Weltbild eines Bahnpressesprechers die Haupttätigkeit eines Bahnreisenden sein - in der Realität wartet er aber mitunter relativ häufig vergebens und uninformiert auf verspätete bzw. ausfallende Regionalzüge auf frostigen Bahnsteigen.
Interessant ist übrigens auch, dass sich ein möchtegernbörsenreifer Weltkonzern den Rückbau eines Bahnhofs zum Haltepunkt im Nirgendwo von der öffentlichen Hand fördern lässt (bzw. lassen muss):
Alle hierzu erforderlichen Aktivitäten seien in die Wege geleitet worden. Die Bahn rechnet mit Zuschüssen und hat deshalb einen Antrag beim Eisenbahnbundesamt gestellt.Wie übrigens auch die ostdeutschen Wohnungsbaugesellschaften begrüßt Deutschlands Eisenbahn-Tycoon den Umstieg auf den freien Wettbewerb vor allem dann, wenn (ehemals) öffentliche Werte - ein Hoch auf die Sachzwangsbegründung - öffentlich gefördert umgeschichtet und zerhäckselt werden und man sich damit den tatsächlichen Konsequenzen der unsichtbaren Hand entziehen kann. Schade um das, was hier auf der Strecke bleibt; um das, was in der kurzen Sicht verschwindet.
"Der Zugang zu den Gleisen bleibt für unsere Fahrgäste ohne Einschränkungen gesichert“. Die Bahn erklärt den Abschied vom Bahnhof.
Der für die Bahn lukrative Paketverkauf stößt in Brandenburg auf Unverständnis. Infrastrukturminister Reinhold Dellmann (SPD) ist verärgert: „Ich sehe die aktuelle Lösungsstrategie der DBAG kritisch, mit Investorenpaketen die Immobilienlast rasch abwickeln zu können.“ Die Bahn müsse ihre Gemeinwohlverpflichtung wahrnehmen und dürfe nicht nur reine Kapitalverwertungsinteressen vertreten, fordert Dellmann. Dahinter dürfte nicht zuletzt die Befürchtung stehen, dass kleine, wirtschaftlich ohnehin gebeutelte Städte ohne repräsentative Bahnhofsgebäude weiter an Anziehungskraft verlieren.In Eisenhüttenstadt hat man glücklicherweise schon längere Zeit tüchtig daran gearbeitet, dem Bahnhofsgebäude samt Umfeld jede Repräsentanz in der Ausstrahlung zu nehmen und wenn man die lokalen Durchschnittsfahrgäste im Wartebereich beobachtet, scheint es mitunter, dass sich hier die Stadtbevölkerung - zugegeben nicht im repräsentativen, aber doch im größeren Umfang - redlich müht, der ganze Kiste noch ein paar Dellen mehr zuzufügen. Manch einem ahnungslosen Anreisenden drängt sich dann auch gleich der kurze Schluss in Folgerung auf, dass es bei diesen Verhaltensweisen wohl kein Wunder ist, wenn für diese Stadt der Zug abgefahren ist. Aber das ist er gar nicht, auch wenn die meisten Eisenhüttenstädter z.B. von der kommenenden Großproduktionsanlage für Wellpappe unmittelbar nicht viel haben werden, ausgenommen vielleicht - hoffentlich nicht (vgl. hier) - die spezifischen Schadstoffemissionen. Nur die schwere Hypothek in Gestalt des nicht veräußerlichen Bahnhofsgebäudes ist nun wohl ziemlich sicher abgekoppelt. Geschenkt wäre hier vermutlich - oder gerade - selbst der Stadt viel zu teuer und Bäckermeister Peter Dreißig wird mit der Rettung des Stadtzentrums schon genug zu tun haben, als dass man ihm auch noch dieses versemmelte Ding mit Gleisanschluss wird schmackhaft machen können:
Da freuen sich Fahrgäste ungemein, dass ihnen von der Bahn AG eine wegezollfreie Nutzung des Zugverkehrs ermöglicht wird... Von dem französischen Philosophen Jean-Claude Michéa ist der schöne Ausdruck "Metaphysik der Sachzwänge" überliefert, der im Zusammenhang mit dem entfesselten Liberalismus das Dogma der Alternativlosigkeit beschreibt und leider bei der Betrachtung der geläufigen zweckökonomischen Brachialdiskurse, unter anderem auch in der öffentlichen Verwaltung, viel zu wenig berücksichtigt wird. Auch die Bahn AG, die sich in der Geschäftsausübung - wenigstens in Ostbrandenburg - den Wortbestandteil Service aus der Selbstbeschreibung Serviceunternehmen erfahrungsgemäß weitgehend entfernt hat, pocht auf das bedingungslose Einstimmen in das Mantra dieser so dominanten wie eigentlich öffentlichkeits- und damit demokratiefeindlichen Heilslehre des frühen 21. Jahrhunderts.
"Der Zugang zu den Gleisen bleibt für unsere Fahrgäste ohne Einschränkungen gesichert“, so die Bahn-Sprecherin. Zu dem Verkauf der Bahnhöfe habe es keine Alternative gegeben. „Wir können keine Gebäude bewirtschaften, die für den Bahnbetrieb nicht mehr benötigt werden“, sagt die Unternehmenssprecherin. Allen betroffenen Kommunen sei ein Vorkaufsrecht eingeräumt worden, das jedoch von keiner wahrgenommen worden sei. Daher nun der Paketverkauf an das private Bieterkonsortium.
Die Wirtschaftsfreiheit des Einzelnen bedeutet allerdings immer auch die Einschränkung der Freiheit einer Mehrheit. Wer beobachtet, wie der öffentliche und damit frei nutzbare Raum beispielsweise im Filetstück Berlin-Mitte auf ein Minimum zusammenschrumpft und die Betonung statt auf Begegnungs- und Sammlungseindrücke beinahe ausschließlich auf Konsum- und Zerstreuungserlebnisse umgeschichtet wird und sogar ein Palastabriss als Entertainment vermarktbar wird, kann nur hoffen, dass langfristig die eigene Konsumpotenz auf einem Niveau gehalten werden kann, dass wenigstens die Aufenthaltsduldung in diesen Stadträumen gewährt wird.
Oder man zieht sich an die wenig attraktiven und daher schwer vermarktbaren Ränder zurück, um hier eine Lücke im Modell zu finden. Das könnte man übrigens fast Gentrifizierung nennen, auch wenn der exakte soziologische Definitionsrahmen etwas enger fasst, was immer weiter geht. Der Weihnachtsmarktspaß in Berlin-Mitte ist ein prima Anschauungsunterricht, der Weihnachtsmachtspaß in Eisenhüttenstadt mangels der lokal vergleichsweise eingeschränkten Leistungsfähigkeit in punto Konsumwahrnehmung wahrscheinlich bislang nur bedingt.
Wie es auch immer sei, die kommunalen Verwaltungen können es sich leicht machen:
„Die Übernahme oder der Betrieb nicht mehr benötigter Bahnhofsgebäude ist keine kommunale Aufgabe.“und die Bahnvertreter ebenfalls. Den Schwarzen Peter für einen eventuellen Abriss der historischen Bahnhofsbausubstanz übernimmt mit Kußhand ein für die Betroffenen - im Gegensatz zur Bahn AG - weitgehend gesichtsloses Unternehmen, das im Gegenzug ein paar schmucke und verwertbare Objekte zum Glück versuchen bekommt. Mehr zum Thema steht in der WELT: Bahn will 156 Bahnhöfe loswerden
Ob man droben im Bahntower am Potsdamer Platz in Bezug auf die leider weitgehend alternativlos bahnabhängigen Bevölkerungsgruppen in der Weite des Landes Brandenburg solche Formulierungen schwingt?
Wir wissen es nicht und so wie es aussieht, bleibt auch der schrumpfenden Stadt Eisenhüttenstadt noch etwas längerfristig ein Gleisanschluss erhalten, zumal bei den potentiellen Güterverkehrskunden. Gleisanschluss bedeutet aber nicht gleich Bahnhof. So spart sich die Bahn einerseits ihre Tradition und wird andererseits kulturlos, dies allerdings für einen - hoffentlich zeigt das nicht immer die beste Figur machende Management hier, was es zeigen sollte - guten Schnitt am Jahresende.
Verkauft. Unser Bahnhof goes Private Equity.
Die Bahn AG hat sich das große Los und sich aus der Verantwortung für das Eisenhüttenstädter und 490 weitere Bahnhofsgebäude in Deutschland gezogen. Dies berichtet die Märkische Oderzeitung:
Zu den an ein privates Bieterkonsortium veräußerten Immobilien gehören in Ostbrandenburg die Bahnhöfe Fürstenwalde, Eisenhüttenstadt, Beeskow, Berkenbrück, Müllrose und Wellmitz in Oder-Spree sowie Seelow-Gusow in Märkisch-Oderland und Wilmersdorf bei Angermünde (Uckermark).
Käufer des dicken Paketes ungeliebter Liegenschaften sind die britische Investitionsfirma Patron Capital Limited und die Hamburger Projektentwicklungs- und Investorengesellschaft Procom, die auf ihrer Webpräsenz mit dem Slogan "Investitionen in eine attraktive Stadtgestaltung" wirbt. Wie attraktiv der Bahnhof in Eisenhüttenstadt mit diesem Investitionshintergrund wird, bleibt nun die spannende Frage. Gerettet ist das Objekt jedenfalls bisher eher ganz und gar nicht:
Die Neueigentümer, der britischen Immobilieninvestor Patron Capital und der Hamburger Immobilienentwickler Procom Invest, haben sich zur Nachnutzung verpflichtet. Andernfalls müssen die Gebäude abgerissenExtrapoliert man die bisherige Entwicklungslinie, ist die Perspektive nicht allzu rosig.
werden, so eine Bahnsprecherin.
Bahnanlage ist gleich Geldanlage? Das mag schon stimmen, aber ob am östlichen Endpunkt der Regionalexpresslinie 1 auch genügend Verkehr aufläuft, um ein im mehr oder weniger Ödland liegenden Bahnhofsbau gewinnbringend aufzufrisieren ist mehr als fraglich. Und damit auch die Zukunft des Gebäudes. Die einzige Chance liegt wohl in einer kräftigen Umfeldumgestaltung und damit in den Händen der Stadt und ihrer diesbezüglichen Möglichkeiten.
Eisenhüttenstädter Bilderreigen 2007. Teil 13: Das Lunik im Spiegel seiner selbst
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Außerdem: Die Märkische Oderzeitung listet heute in einer Kurzmeldung auf, was demnächst am Bahnhof (bzw. der "Verkehrsstation") Eisenhüttenstadt geschehen wird:
Wichtigstes Vorhaben bei der "Erneuerung der Verkehrsstation Eisenhüttenstadt", wie die Bahn selbst das Projekt bezeichnet, ist der Ersatz des jetzigen Inselbahnsteigs durch zwei 140 Meter lange und exakt 55 Zentimeter hohe Außenbahnsteige. Beide Außenbahnsteige werden nach Aussagen von Günther Schuppenies, Leiter DB Station Service AG, Regionalbereich Ost, ein Blindenleitsystem,Wetterschutzhäuschen, Sitzbänke sowie notwendige Beleuchtung und Wegweiser erhalten.Wir freuen uns natürlich vor allem über die "notwendige Beleuchtung" und auf eine anheimelnde Bahnreisestimmung, wie man sie z.B. von der Verkehrsstation "Teichland" kennt, die in etwa die beschriebenen Eigenschaften aufweist. Generell wird man sich wieder einmal daran gewöhnen müssen, dass dort, wo es
So wie die meisten Eisenhüttenstädter am Ende mit dem neuen Stadtzentrum nördlich des alten ganz zufrieden scheinen, werden sie es sicher auch mit den neuen Bahnsteigen sein. Vielleicht kompensiert an der Verkehrsstation ja der Raumeindruck des hoffentlich bald neu gestalteten - und dabei möglichst nicht an das Verkehrshaltkonzept der Bahn AG angepasste - Bahnhofsvorplatz die Lage für die, für die Stadtraum nicht nur Wirtschafts- und Bewirtschaftungs- sondern dazu noch auch Identifikationsraum ist, ein bisschen.
Nicht bahnbrechend: Die Stadt in den Verhandlungen um die Zukunft des Eisenhüttenstädter Gleisanschlusses.
Mit einer (leider wieder einmal) gründlich entsetzenden Meldung überrascht Andreas Wendt heute die Eisenhüttenstädter Leserschaft der Märkischen Oderzeitung:
Die Bahn will ab 2008 nach langen und zähen Verhandlungen zwei Millionen Euro in den Bahnhof Eisenhüttenstadt investieren und den vorhandenen Bahnsteig komplett wegreißen, um ihn durch zwei Außenbahnsteige zu ersetzen.
Entsetzend deshalb, weil die langen und zähen Verhandlungen als Resultat nicht anderes ergeben, als dass die Bahn AG ihre Position nahezu ohne Abstriche durchsetzen konnte und die Stadt bzw. die Stadtbevölkerung mit diesem Ergebnis bei genauer Betrachtung als begossener Pudel auf dem Bahnsteig stehen wird.
Denn das knauserige Sanierungszugeständnis "eines führenden internationalen Transport- und Logistikdienstleisters" der - hört, hört - "Zukunft bewegen" möchte, ist nichts anderes, als das was ohnehin landauf und landab geschieht: die Bahnhöfe werden auf eine pflegeleichte Linie in "robust und billig" heruntermodernisiert, so dass sie in die Stromlinien des DB-Bewirtschaftungskonzept passen.
Für Eisenhüttenstadt bedeutet dies vermutlich, dass die Anmutung des Bahnhofs demnächst dem des Haltepunktes Wiesenau entsprechen dürfte, mit mausgrau betonierten Bahnsteigen und jeweils einem Glasunterstellhäuschen pro Bahnsteig.
Wenn man sich ansieht, was die Bahnhofsmission von Rainer Werner und Jörg Vogelsänger als Ergebnis vorzuweisen hat, kann man eigentlich nur los prousten..
Was bleibt in Eisenhüttenstadt, ist das Erinnern, an all die Dinge, die verschwinden.
Der euphemistisch als "weiterer" bezeichnete Vorteil des neuen Haltepunktes dürfte der einzige sein: Ein barrierefreier Zugang, den man allerdings mit ein wenig Engagement auch am Stellwerk hätte zustande bringen können bzw. schon vor Jahren hätte umsetzen müssen. Das Armselige an der ganzen Aktion, die sowohl der Vermittler Jörg Vogelsänger wie auch Bürgermeister Rainer Werner jetzt als Erfolg zu verkaufen versuchen, ist, dass die Bahnhofsgebäude bis auf den Abriss der Zwischenbauten überhaupt nicht angerührt werden, obschon hier - und nicht beim Bahnsteig - der wirkliche Handlungsbedarf besteht.
Stattdessen wird der Bahnsteig untergepflügt und damit auch die Überdachung. Zusätzlich wird sicher die Unterführung verfüllt, so dass Fußgänger bei geschlossener Schranke die Gleise nicht mehr unterqueren werden können. Das sollte es dann in etwa auch gewesen sein. Und dabei entblödet man sich nicht, das Ganze als "Sanierung" anzupreisen. Aber wenn der Leser annimmt, dass man sich plumper gar nicht vorführen lassen kann, kommt in Gestalt jeweils einer Äußerung des Bügermeisters und des Stadtmanagers Wolfgang Perske gleich noch eine erstklassige Steigerung um die Ecke:
"Wir lassen erst die Bahn aktiv werden und kümmern uns danach ab 2009 um das Umfeld", kündigt Werner an.Der Mario Basler der Lokalpolitik lässt also lieber die anderen laufen, um danach abzustauben. Als ob die Gestaltung des Vorplatzes (neuer Parkplatz, neuer Taxistand, neue Straßenführung) an diesem "Zugeständnis" der Bahnvertreter, dass eigentlich eher eine "Zumutung" ist, gehangen hätte. Dass dann, obschon das Niveau ohnehin ganz schön flach gehalten wird, wirklich etwas passiert, wird im Rathaus nachträglich gleich noch einmal relativiert:
"Das alles setzt aber voraus, dass wir Fördermittel bekommen", sagt Perske."
So langsam ist es schwer erträglich, immer wieder vorgeführt zu bekommen, wie minderbemittelt diese Stadt sein muss... Man glaubt kaum, in welchen Abhängigkeiten die Stadt verflochten sein muss. Wenn es nur Wolfgang Perske und nicht auch um die armen restlichen Einwohner der Stadt träfe, wünschte man sich fast, dass die Kralinski'sche Fördermittelstreichungsforderung auch den hiesigen "Regionalen Wachstumskerns" (RWK) berücksichtigte, um dieser Selbstverständlichkeit des Subventionsdenkens den Zwang zu kreativeren Lösungen entgegen zu setzen.
Noch einmal zusammengefasst: Der Stadtmanager zeigt deutlich, dass er reiner Stadtverwalter und nicht etwa Stadtgestalter ist. Die Deutsche Bahn AG zeigt, dass sie am längeren Hebel sitzt. Der Bügermeister zeigt, dass er damit zufrieden ist und versucht in eher dürftiger Manier, das Debakel auch noch als Erfolg für Eisenhüttenstadt zu verpacken:
Am geplanten Verkauf der Bahnhofsimmobilie aber hält die Bahn nach Aussagen ihres Sprechers Auferkamp weiter fest. "Das Gebäude lässt sich aber im sanierten Zustand wesentlich besser vermarkten als jetzt", findet auch Bürgermeister Rainer Werner.Wir finden, er sollte noch mal nachlesen, was die Bahn plant: "den vorhandenen Bahnsteig komplett wegreißen, um ihn durch zwei Außenbahnsteige zu ersetzen". Nicht mehr und - man muss es so sagen - leider auch nicht weniger. Und wenn der Bagger beim Umschwenken zufällig eine Wand beschädigt, könnte man auch noch den Abriss des Gebäudes schneller einleiten, als so manch ein Verhandlungsführer der Eisenhüttenstädter Partei glauben mag.
P.S. Noch eine Information in eigener Sache: Der Eisenhüttenstadt-Blog ist mittlerweile neben anderen Brandenburger Regionalblogs auch über die Readers Edition lesbar.







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