E.i.h.ü.
Futur II: Der Kongress in Dunaújváros hat begonnen.
..."...Wie bei vielen Phänomenen der Zeit sind wiederkehrende Konstellationen als solche nur erkennbar, wenn sie uns nicht mehr betreffen - wenn sie sozusagen in der Vergangenheit eingekerkert sind, die gerade darum die Vergangenheit ist, weil sie desinfiziert wurde. Der Versuch, unsere Zukunft mit Hilfe des Materials zu entwerfen, das uns die Vergangenheit an die Hand gibt, heißt den Grundzug der Zukunft verkennen, der eben ihre völlige Nichtexistenz ist. Fälschlicherweise halten wird den schwindeligen Sturz der Gegenwart in dieses Vakuum für vernünftige Bewegung." (aus: Nabokov, Vladimir: Das Bastardzeichen. Reinbek: Rowohlt.1996, S. 73)
Knüppel in der Stadt. Wie Eisenhüttenstadt sich selbst zerschlägt.
Manometer, liebe Heimatstadt!
Da weilt man für ein paar Tage in einer Welt jenseits von Gut und Böse und schon werden Nachrichten bekannt, die dafür sorgen, dass man überhaupt keine Lust mehr auf Heimkehr hat. Einerseits Dein Tiergehege: Da werden der Eisenhüttenknut und eine ganze Anzahl sein gefiederten und felligen Nachbarn aus Spargründen und so fällig und dahingemetzelt:
Amtstierarzt Thomas Maczek bestätigte am Montag nur, dass er... ein Video von zwei lebenden Schwanenküken gesehen hat. "Darauf konnte man erkennen, dass sie an einer Stoffwechselkrankheit leiden", sagt er. Das könne, müsse aber nicht mit der Pflege zusammenhängen."Und das meint der Förderverein:
"Die Tiere waren verkrüppelt." Sie hätten in der freien Natur jedenfalls nicht überlebt, bekräftigt Andreas Kurz. Genau deshalb wurden sie mittlerweile auch getötet. "Auf Empfehlung eines
Tierarztes", betont Sommer. Aber ohne dessen fachliche Begleitung. Wie sie getötet wurden, wollte er nicht sagen."
Insgesamt scheint das Unternehmen Tiergehege ein ziemliches Desaster zu werden, jedenfalls für zahlreiche Tiere und auch ein paar Mitarbeiter:
Bis zur Übernahme durch den Förderverein hat es im Tiergehege vier Festangestellte gegeben. Doch die Personalkosten waren für den neuen Träger zu hoch.Ich würde das allgemeinen Rumoren über die dortige Praxis inlusive Strafanzeige vielleicht nicht ganz so dramatisch einordnen, wüsste ich nicht ganz konkret von drei Patenvögeln (a 10 Euro) die vor Ablauf der Patenzeit aus ungeklärten Gründen verschieden. Angekündigte Ersatztiere wurden nicht vermittelt, dagegen kam später ein Schreiben, dass man doch die Patenschaft verlängern solle. Oder gar das Gehege, dass für die Trauerschwäne vor allem Trauerort wird, noch einmal zu besuchen. Allein derart unprofessionelle Kommunikation mit der Zielgruppe sorgt natürlich dafür, dass das Engagement entsprechend gezügelt wird, zumal es offensichtlich nicht dem Wohle aller Tiere zugute kommt.
"In das Tiergehege muss endlich Ruhe einziehen", rät Thomas Maczek.Und er könnte damit ganz anders als gemeint Recht behalten. Dann nämlich wenn die Anlage, die Bürgermeister Rainer Werner einst so wunderbar gegen das Stadtfest ausspielte, endgültig geschlossen wird und alle Tiere aus Spargründen über Stock und Flinte, oder, sofern sie Glück haben, durch den Tiermarkt in einen anderen Käfig, gegangen sind. Zwar ist ein Förderverein im Vergleich zu einer professionellen Führung häufig die billigere, zumeist aber nicht die beste Option.
Das man ansonsten auch die Kultur des Kahlschlags weiter pflegt und dabei die Dinge gern so biegt, bis sie passen, beweist der Abriss des Fahrkahrtenhäuschens am Krankenhaus. Schäbiger kann man mit einem herausragenden Element Stadtikonografie gar nicht umgehen, aber das nennt man wohl Cottbusser Schule.
"Das besagte Gebäude befand sich nie im Denkmalbereich nach der Denkmalbereichssatzung für den WK I bis III", sagt Michael Reichl, Bereichsleiter Bauen. Auch "eine Unterschutzstellung als Einzeldenkmal" - wie sie beispielsweise für das Krankenhaus oder dieUnd die Lücke, die hier der Teufel gelassen hat, nutzt man natürlich aus und bald gibt es an der Stelle eine schmucke Grünfläche. Und einen Grund weniger, nach Eisenhüttenstadt zu fahren. Wie eng doch die Scheuklappen der Sparfüchse manchmal anliegen...
Erich-Weinert-Grundschule gilt - existiere nicht.
Ich bin jedenfalls vorerst tüchtig Eisenhüttenstadt-bedient und deshalb gibt es aus der Ferne auch keinen lieben Gruß sondern eben nur Schimpf und Schande dafür, dass man die schönen Dinge des Eisenhüttenstadt-Lebens derart fahrlässig zerstört.
Die Kulturhausse der Nationalen Bautradition. Zwei schöne Exemplare in Westbrandenburg.
Liebe Heimatstadt,
das erste Adventswochenende des schönen Jahres 2007 ließ mich ein weiteres Mal in die Ferne schweifen, um das Gute - bzw. das Vertraute - ganz nah zu empfinden. Und da wir dank Andi Lesers E.i.h.ü.(Eisenhüttenstadt ist halt überall)-Konzeptes auch ausziehen, um all das zu sammeln, was zwar wie Eisenhüttenstadt aussieht (mehr oder weniger), aber nicht unbedingt Eisenhüttenstadt ist, kann ich auch zwei meiner kolossalen Fundstücke dieses Wochenendes hier fotografisch be- und beilegen. Dabei handelt es sich um kleine Kulturtempel in wunderbarstem Stil der Nationalen Bautradition (und nicht etwa im "Western Style" wie das ehemalige Fürstenberger Kulturzentrum, von dem ehst.tick bei Flickr eine seltene Zeichnung auftreiben konnte und von dem man sagt, dass es u.a. aufgrund der von Stammgästen ab und an wahrgenommenen Zeitverschiebungen auch angelehnt an den Astrophysiker-Slang Wormloch genannt wurde [Quelle der Information:unbestätigtes Gerücht und Kalauerei]). Was besonders freut, ist, dass die beiden Musentempelbauten bis heute halbwegs ihren vom Nationalen Aufbauwerk verfolgten funktionalen Zielstellungen treu bleiben und nach wie vor als Kulturhäuser in Betrieb sind.
Auch wenn die Innengestaltung mittlerweile nicht mehr an den ganz dem alten Kulturhausschick entspricht und statt dem politischen Revuemärchen "Kennst Du das Land.." (1978) der Polit-Proclaimers aus der Gruppe futurum das apolitische Fantasymärchen "Der Sternenwanderer" (OT: Stardust 2007) über die Leinwand flimmert: In den Außenansicht trägt das "Kulturhaus Erich Weinert" (eröffnet 1959) in der Heimatstadt Deutschlands bekanntester Industriellenfamilie - den Quandts - durchaus einen leuchtenden Architekturstern der Kulturhauskultur der DDR hinüber ins verflixte siebente des 21. Jahrhundert.
Interner Vermerk: Im nächsten Sommer sollten wir diese Ansicht für unsere NatiTradi-Archiv unbedingt noch einmal in "hell" nachfotografieren.
Eine weitere Gemeinsamkeit mit Eisenhüttenstadt ist, dass die ehemalige Nähmaschinenmetropole eine Shrinking City ersten Ranges ist, die immerhin seit 1989 grob geschätzt ein Drittel der Einwohner verloren hat. Den Verbliebenen ist u.a. eine Benutzung des Platzes vor dem Kulturhaus als Rollschuhbahn per Aushang untersagt. Anschauen, Fotografien und als gebautes Zeitdokument beachten darf man das seit 1994 denkmalgeschützte Gebäude aber trotzdem.
Interner Vermerk: dito
Schlote, Schwaden, Schienen - aber wo steht/stand diese Eisenhütte?
Aus dem Zentrum der Hauptstadt: Ein kurzer Gruß in den Aktivisten.
Mein lieber Herr Futurologenverein! Da schimpfe ich Rohrspatz der Eisenhüttenstädter Blogosphäre jüngst in einer Form darüber, dass die Vorträge beim Kongress der Futurologen und mehr oder weniger Meidung durch die lokale Stadtöffentlichkeit stattfinden und dies aufgreifend macht die Readers Edition gar einen Wochenendtipp daraus und nun werde ich eventuell die Ausführungen von Franciska Zólyom höchstpersönlich verpassen. Der Grund ist ein verkehrslogistischer: ich habe den Anschlusszug verpasst und antstatt in Regionalexpress-Geschwindigkeit gen Osten zu rauschen, bin ich verdammt mit aufziehender Schamesröte auf den Wange in einer Online-Nische diese Zeilen zu schreiben. Alles was mir bleibt, ist zum Vortrag ein Bild beizusteuern, dass so verwaschen ist, wie meine aktuelle Stimmung und als Würdigung des Nachdenkens über die Städte ohne Zentrum gedacht sein soll:
Hauseingänge Eisenhüttenstadts. Heute: Die Erich-Weinert-Allee
Eine Funktion, die dieses Weblog erfüllen soll, ist die Dokumentation all dessen, was den Autoren zu und in Eisenhüttenstadt aufhebenswert erscheint. Das ergibt selbstverständlich eine gehörige Menge Material, dessen systematische Verarbeitung jeden unserer Rahmen sprengen würde. Daher ist das Vorgehen in erster Linie ein Auswählendes. Ein Element des Stadtraums, welches sich immer wieder in die Aufmerksamkeit des Stadtwanderers drängt, jedoch hier völlig zu unrecht bislang kaum thematisiert wurde, ist die Gestaltungsvielfalt der Eingangsbereiche, die sich besonders an den Wohnbauten des WK II antreffen lässt. Keine Tür und Einfassung gleicht der anderen und da es in einem solchen großen Quartier der Türen etliche gibt, kann man schon allein mit einer darauf bezogenen Bestandsaufnahme ein kräftiges Stück Lebenszeit verbringen. Weil jedoch die Beschränkung auf nur ein Objekt in einer an Entdeckungswürdigem überreichen Welt unsere Sache nicht ist, werden auch die Portalgestaltungen Eisenhüttenstadts nur punktuell erfasst. Dafür aber begeistert.
Als nicht ganz unerheblichen Nebeneffekt soll dadurch auch das vom Eisenhüttenstädter Überdenker Andi Leser initiierte E.i.h.ü. in bisschen mehr Dampfdruck auf den Kessel bekommen, um den Urgedanken des Projekts am Rotieren zu halten:
Ziel des Projekts E.i.h.ü. ist es, durch eine gezielte Montage/Collage von Film- und Fotoaufnahmen, eine virtuelle Stadt zu erschaffen. Beim Betrachter soll sowohl das vetraute Gefühl des Schon-mal-gesehen (deja vu) als auch eine Irritation über den als bisher vertraut betrachteten Stadtraum entstehen. Bekanntes und Unbekanntes werden zu einem einheitlichen Werk komponiert.
Ob das, was hier unter dem E.i.h.ü.-Label geschieht, gezielt von statten geht, bleibt fraglich. Aber von einem munteren Montieren und Collagieren diverser Eindrücke und Bilddokumente lässt sich durchaus sprechen. Hier nun der nächste Schnipsel:
Weitere Hinweise auf tolle Türen folgen hier bei Gelegenheit.
Der kurze Weg zur Schule. Ein Fundfoto von irgendwo.
Heute gibt es viel zu tun und daher für den Blog nur ein kleines Fundstück, welches man auf den ersten Blick ohne Schwierigkeiten in Eisenhüttenstadt verorten würde. Auf den zweiten wird natürlich klar, dass dies nicht sein kann. Zu Mobilisierung der Leserschaft wird deshalb die Frage in den Raum gestellt, wo auf der Welt die untenstehende Fotografie aufgenommen wurde? Antworten bitte als Kommentar. Wer lieber Aufnahmen anschauen möchte die zugleich aus dem Jahr 2007 und aus Eisenhüttenstadt stammen, sollte einmal auf die umfängliche Stadtfestbildersammlung auf tentic.de schauen.
Vermutlich weniger von Harmonie geprägt, aber das eigentlich reizvolle Element im Foto, ist das Gespräch, welches sich im Vordergrund zwischen Schüler und Schülerinnen vollzieht. (siehe unten)
["Der kurze Weg zur Schule. Ein Fundfoto von irgendwo." vollständig ... »]








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