"Das ist eine einmalige Chance", freut sich Simone Irmer, Geschäftsführerin der Gewi. 70 Millionen Euro stehen ihr - wenn am 17. Mai die Stadtverordnetenversammlung und danach auch der Landkreis Oder-Spree zustimmen - für umfangreiche Investitionen in den innerstädtischen Wohnungsbestand zur Verfügung. "In meinen kühnsten Träumen hatte ich mit 15 bis 20 Millionen Euro gerechnet", gibt sie zu.
Zugegeben, wir üben uns auch hier häufig in einer aufsehen- und meinungserregenden Miesepetrigkeit, die im freundlichsten Fall als gottergebene Skepsis daherkommt, im unfreundlichsten als plumpes Pöbelfest. Ursache dafür sind die zumeist unschönen Nachrichten, die uns Exilanten aus der Stadt am Rande des Landes erreichen. Nun gibt es eine Meldung, die sich positiv lesen lässt, wobei die golddollarhypothekischen und ausfallbürgschaftsbasierten Hintergründe derart komplex darstellen, dass der durchschnittlich Eingeweihte sich in seiner Naivität ausnahmsweise auf die Erklärung in der MOZ stürzt und erklärt sich darauf hin selbst, dass nun aufgrund der Löschung eigenartiger Altbelastungen Platz für einzigartige Neubelastungen wird:
Mit der Hypothek aus dem Jahre 1928 in Höhe von fünf Millionen Golddollar sind im Stadtterritorium vor allem die Kommune selbst, die Gebäudewirtschaft, das städtische Krankenhaus und die Wohnungsbaugenossenschaft belastet. Seit 1992 bemühen sich die Beteiligten um eine Klärung der alten Schuldverschreibungen, die als Gesamtgrundschuld die erste Rangstelle der Grundbücher blockieren und den Eigentümern die Hände binden. Die Märkischen Elektrizitätswerke AG hatten 1928 die Flächen belasten lassen - zu jenem Zeitpunkt nicht mehr als Brachland zwischen Fürstenberg und Schönfließ. Die Gläubiger selbst sitzen in den Vereinigten Staaten.
Inzwischen ist die Beklagte, die Deutsche Kreditsicherungs AG, einigungsbereit. Eine Freistellungserklärung soll bewirken, dass die Schulden aus den Grundbüchern gelöscht werden. Die Beklagte, so erläutert es Gewi-Geschäftsführerin Simone Irmer, die mit 41 Prozent die meisten der mit der Golddollarhypothek belasteten Flächen hat, wird freigestellt von allen Gläubigerforderungen. Die Folge: Der Beleihungswert der Objekte steigt. Entsprechende Beschlüsse sind Rainer Werner zufolge schon für Juni vorgesehen.
Wir hoffen also, dass der unerhoffte Glücksgriff verantwortungsbewusst und, was die Stadtentwicklung betrifft, irgendwie nachhaltig seine Verwendung findet. Denn als Skeptiker sieht man doch schnell die Gefahr, dass ungeschickte Hände an überraschend aufgetanen Milchtöpfen schnell dafür sorgen, dass man vom Segen in die Traufe kommt.
Der ganze Text: 70 Millionen für die Innenstadt
Die Stadt, die wir so lieben, hat es erneut in die Frankfurter Allgemeine Zeitung geschafft. Diesmal ist es der Berliner Autor Christian Saehrendt, der am Donnerstag den 27. April im Feuilleton einen kleinen, sehr lesenswerten Abriss zum Thema "Hundert Jahre Abwanderung aus dem deutschen Osten" liefert. Er geht davon aus, dass das immer mal wieder Gegenstand künstlicher Besiedlung gewesene "Land östlich der Elbe", wozu auch die Verortung eines Stahlwerks in der großindustriefreien Region am Oderufer zu zählen ist, für auf Wachstum oder Status-Quo-Erhaltung ausgerichtete bevölkerungspolitische Massnahmen dauerhaft Bühne des Scheiterns bleibt. 

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